Verband Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute

Zielsetzung

Wir engagieren uns mit unserem Fachwissen und unserer Kompetenz für saubere und lebendige Gewässer! Dies im ganzheitlichen Sinne und auch zum Wohl der zukünftigen Generationen.

Stefan Hasler, Direktor VSA

Der VSA ist DER massgebende schweizerische Verband für den Gewässerschutz und die Weiterentwicklung einer nachhaltigen, integralen Wasserwirtschaft. Wir sind zudem die Generalisten für alle Fragen des Wassers. Unsere Schwerpunkte sind:

  • Siedlungsentwässerung
  • Abwasserreinigung
  • Kanalisation
  • Industrie‐ und Gewerbeabwasser
  • Infrastrukturmanagement (inkl. langfristige Finanzierung der Infrastruktur)
  • Gewässerqualität und ‐ökologie
  • Grundwasserschutz
  • Integrales Wassermanagement

Der VSA will die Ressource Wasser schützen und dafür sorgen, dass sie nur in dem Masse genutzt wird, dass sie zwar den Bedürfnissen heutiger Generationen Rechnung trägt, dabei aber die Bedürfnisse zukünftiger Generationen nicht gefährdet. In diesem Sinne ist der VSA Garant dafür, dass die Leistungen in den oben erwähnten Schwerpunkten unter optimalem Einsatz der Mittel erhalten und weiterentwickelt werden.

Der VSA wurde 1944 gegründet. Er ist der Zusammenschluss der Schweizer Gewässerschutzfachleute. Seine Ziele erreicht der VSA durch professionelle Ausbildungsangebote, Normen zu Sicherheit und Qualität, Informationen über den Gewässerschutz sowie über politisches Engagement.

Unsere Gründungsmitglieder handelten weitsichtig, denn sie wussten damals schon, dem Wasser, den Gewässern muss Sorge getragen werden.

Heinz Habegger, Präsident VSA
Heinz Habegger, Präsident des VSA, ARA im HIntergrund

Der VSA…

  • ist der führende Anbieter von qualitativ hochstehenden Aus‐ und Weiterbildungen im Bereich Gewässerschutz;
  • ist die Referenzstelle für den Gewässerschutz und definiert mittels hilfreicher Arbeitswerkzeuge den Stand der Technik für die Bereiche Abwasserreinigung, Siedlungsentwässerung, Kanalisation sowie Industrie und Gewerbe;
  • ist der Verband, der alle Anspruchsgruppen im Bereich des umfassenden Gewässerschutzes vernetzt und den Wissenstransfer sicherstellt. Er arbeitet eng mit der Forschung sowie den kantonalen und nationalen Behörden zusammen;
  • vertritt Gewässerschutzinteressen proaktiv und selbstbewusst;
  • stellt den Wert sauberer und lebendiger Gewässer dar und kommuniziert diesen sowohl der Fachwelt als auch einer breiten Öffentlichkeit;
  • erhöht den Nutzen für seine Mitglieder und bewegt weitere relevante Akteure zur Mitgliedschaft, um seinen Einfluss zu stärken.

Leistung

Wir repräsentieren das Fachwissen und Handeln für saubere und lebendige Gewässer in der Schweiz!

Klärwerkfachleute ausbilden

Der VSA bildet als einziger Anbieter in der Deutschschweiz Klärwerkfachleute aus. In der Romandie ist dafür die Groupe romand pour la formation des exploitants de STEP (FES) zuständig. Die Ausbildung ist dem eidgenössischen Berufsbildungsgesetz unterstellt.

Fachleute weiterbilden

Fachleuten aus Wissenschaft, Verwaltung und privaten Unternehmen stellt der VSA ein breites und aktuelles Kursangebot bereit. Damit gewährleistet er die praxisbezogene Aus- und Weiterbildung.

Richtlinien festlegen, Wissen erarbeiten

Bei Fragen zu Sicherheit und Qualität im Gewässerschutz ist der VSA DIE Kompetenzstelle. Er publiziert dazu die erforderlichen Regelwerke. Erarbeitet wird dieses Wissen in den «Centres de compétences» (CC) des VSA, bestehend aus Experten, Anlagebetreibern, Ingenieur- und Ökologiebüros sowie Vertretern aus Behörden und Branchenverbänden.

Die Öffentlichkeit informieren

Gewässerschutz steht im Dienste aller. Der VSA betreibt deshalb gezielte Öffentlichkeitsarbeit. Über die Medien und mit Kampagnen in Zusammenarbeit mit dem Bund sensibilisiert er breite Kreise der Bevölkerung. Medienschaffenden dient die Geschäftsstelle des VSA als Informationsdrehscheibe.

Politiker überzeugen

Auf politischer Ebene bezieht der VSA pointiert Stellung bei Fragen des Gewässerschutzes. Er tritt an Politikerinnen und Politiker heran und erklärt ihnen seine Sicht.

Internationale Kontakte

Durch die internationale Vernetzung ermöglicht der VSA den Vergleich zum Ausland und Kooperationen über die Landesgrenzen hinweg.

Eine kleine Geschichte der Siedlungsentwässerung

Während Jahrhunderten stellte das Abwasser aus Siedlungen eine der grössten Bedrohungen für den Menschen dar. Erst im 19. Jahrhundert gelang es, die davon ausgehende Seuchengefahr mit der sogenannten «Kloakenreform» zu bannen. Dank dem Bau von Kanalisationen zur Ableitung des Schmutzwassers verdoppelte sich die Lebenserwartung in den Städten von 40 auf 80 Jahre. Die Siedlungshygiene gilt denn auch als wichtigste medizinische Errungenschaft und ist weit bedeutender als zum Beispiel die Entdeckung von Antibiotika. Seit der Gründung im Jahr 1944 haben der VSA und seine Mitglieder den Gewässerschutz in der Schweiz mit ihren Leistungen massgeblich mitgeprägt und vorangetrieben. Heute kann die Bevölkerung praktisch überall einwandfreies Trinkwasser geniessen und zudem bedenkenlos in den Seen und Flüssen baden. Der VSA darf zu Recht stolz sein auf seine Verdienste, wobei die Erfolge dazu motivieren, auch künftige Herausforderungen engagiert anzugehen. Hier einige Fakten zur Siedlungsentwässerung in chronologischer Reihenfolge.

Von wegen „saubere Römer“

Öffentliche römische Bedürfnisanstalt mit integrierter Wasserspülung.
Abb. 1: Öffentliche römische Bedürfnisanstalt mit integrierter Wasserspülung.

Das Klischee der «sauberen Römer» wird zwar immer wieder kolportiert, doch die Realität sah anders aus: Obwohl alleine im alten Rom weit über hundert öffentliche Bedürfnisanstalten existierten (s. Abb. 1), litten im gesamten römischen Reich viele Menschen an Darmkrankheiten. Die Römer wischten sich den Allerwertesten nämlich mit ebenfalls «öffentlichen» Bürsten und Schwämmen ab (s. Abb. 2). Damit waren die Toiletten wahre Keimherde und bei weitem nicht so hygienisch, wie man gemeinhin annimmt.

Gewässerverschmutzung im Römischen Reich

Abb. 2: Das «römische Toilettenpapier» trug zur Übertragung von Darmkrankheiten bei. Es handelte sich dabei um Schwämme, die von allen Besuchern benutzt wurden.

Unter den marmornen, mit Löchern versehenen Sitzbänken der öffentlichen Bedürfnisanstalten verlief eine Abflussrinne, die kontinuierlich mit Wasser gespült wurde. Dadurch gelangten die Fäkalien in das nächste Gewässer. In Rom war der Stadtfluss Tiber so stark verschmutzt, dass die Schriftsteller vom Verspeisen von lokal gefangenem Fisch abrieten: «Fische aus solchem Gewässer stinken, schmecken schlecht und sind schwierig in der Zubereitung.» Unsere heutigen Gewässer sind somit deutlich sauberer als die Stadtflüsse in römischen Zeiten!

Mittelalter: «Stadtluft macht krank»

Abb. 3: Nachtgeschirre, Küchenabfälle und schmutziges Wasser werden im Mittelalter auf die Strasse geleert, wo sie sich mit Marktabfällen und Schlacht-blut vermengen.

Im Vergleich zum Mittelalter gilt das Römische Reich trotzdem als Hort der Hygiene. Zu dieser Zeit war es nämlich üblich, die Notdurft auf der Strasse zu verrichten. Weil dort zudem Schweine und Hühner frei herumliefen, lebte die Stadtbevölkerung in ständigem Schmutz. Die fehlende Ableitung der Abwässer führte immer wieder zur Verseuchung von Trinkwasserbrunnen, die innerhalb der Siedlungen liegen. Verheerende Typhus- und Choleraepidemien waren die Folge. Dadurch war die Lebenserwartung in den Städten deutlich geringer als auf dem Land. Irrigerweise führten die Leute dies aber nicht auf die katastrophale Siedlungshygiene zurück, sondern auf die immense Geruchsbelästigung. Erst im 19. Jahrhundert forderten Ärzte, Städteplaner und Architekten im Zuge der Kloakenreform eine kontrollierte Abfuhr des Abwassers. Dank den Anstrengungen zur Verbesserung der Siedlungshygiene verdoppelte sich die Lebenserwartung von 40 auf 80 Jahre.

Zunehmende Gewässerverschmutzung

Abb. 4: Noch Ende des 19. Jahrhunderts werden Abwässer und Abfälle direkt in die Gewässer ent-sorgt. Das Foto zeigt den Birsig in Basel um 1880.

Der massive Gewinn an Lebensqualität ging jedoch mit einer deutlichen Zunahme der Gewässerverschmutzung einher. Denn die aus den Siedlungen abgeleiteten Abwässer gelangten ungereinigt in Bäche, Flüsse und Seen. Weil es in der Schweiz noch bis zu Beginn der 1960er-Jahre kaum Kläranlagen gab, führte dies in den Gewässern zu Schaumteppichen, ausgedehnten Algenblüten und stinkenden Algenteppichen. Letztere behinderten nicht nur die Schifffahrt, sondern bewirkten in vielen Seen auch massives Fischsterben. Denn durch den bakteriellen Abbau der organischen Substanz fehlte vor allem in tieferen Wasserschichten Sauerstoff. Aus gesundheitlichen Gründen verfügten die Behörden vielerorts Badeverbote. Wer trotzdem ins Wasser sprang, riskierte, neben treibenden Fäkalien wieder aufzutauchen.

1944: Gründung des VSA

Weil während des zweiten Weltkriegs jeglicher Kontakt mit dem Ausland verloren ging, schliessen sich im Juni 1944 23 Ingenieure und Fachleute aus der Verwaltung zum VSA zusammen. Der Mitgliederkreis wird schon bald mit Vertretern von Firmen, Bund, Kantonen und Gemeinden erweitert, so dass ein umfassender schweizerischer Fachverband entsteht.

Aus Sorge um die schlechte Wasserqualität engagieren sich die ersten VSA-Mitglieder für die Beratung, Forschung und Ausbildung auf dem Gebiet der Abwassertechnik sowie für die Überwachung der Gewässerqualität. In dieser Zeit gibt es in der Schweiz noch kaum Fachleute für die Planung, den Bau sowie den Betrieb von Kläranlagen. Das Know-how auf diesem Gebiet muss also zuerst aufgebaut werden. Dies gelingt am besten, wenn die beteiligten Akteure – von Behörden, Forschungsstellen, ARA-Zweckverbänden, Ingenieurbüros sowie Bau- und Lieferfirmen – sich im VSA vernetzen, konstruktiv zusammenarbeiten und den Erfahrungsaustausch pflegen.

Erstes Gewässerschutzgesetz und Subventionen

Abb. 5: Schaumteppich auf der Limmat unterhalb von Zürich Anfang der 1960er-Jahre.

Ende der 1950er Jahre waren weniger als 10 Prozent der Schweizer Bevölkerung einer öffentlichen ARA angeschlossen. Durch den zunehmenden Einsatz von synthetischen Tensiden in Wasch- und Reinigungsmitteln sowie die immer intensivere landwirtschaftliche Nutzung des Mittellandes verschärfen sich die Gewässerschutzprobleme dramatisch (siehe Abb. 5 & 6).

Abb. 6 Schaum auf der Aare bei Aarburg; 1962

Das erste Gewässerschutzgesetz tritt 1957 in Kraft, zeigt aber zunächst nur wenig Wirkung. Dies ändert sich, als der Bund den Bau von Kläranlagen ab 1962 finanziell unterstützt und damit einen starken Anstoss zum raschen Aufbau einer landesweiten Infrastruktur zur Siedlungsentwässerung gibt. Der Bund zahlte im Durchschnitt rund 30% der Baukosten, die Kantone steuerten weitere 30% bei.
Nur 20 Jahre später leiten etwa 80 Prozent der Bevölkerung und fast alle Betriebe ihr Abwasser in eine ARA. Praktisch parallel zum Bau der öffentlichen Kläranlagen wird auch das Kanalnetz in Rekordzeit auf eine Gesamtlänge von derzeit 130‘000 Kilometern Länge erweitert.

1965: Schulung für Klärwerkfachleute

Nach der Erarbeitung von einheitlichen technischen Dimensionierungsgrundlagen und dem Bau von Kanalisationsnetzen und Kläranlagen erkennt der VSA, dass auch die modernsten Anlagen ihren Zweck nur erfüllen können, wenn sie durch geschultes Personal fachgerecht betrieben und unterhalten werden. Da noch keine Berufsausbildung für Klärwärter besteht, springt der VSA in die Lücke und nimmt deren Aus- und Weiterbildung in sein Arbeitsprogramm auf.

Enorme technische Fortschritte

Angetrieben von den Forschungserfolgen der Eawag, deren Erkenntnisse – insbesondere auch über den VSA – in die Praxis der Abwasserreinigung einfliessen, werden die technischen Verfahren laufend verbessert. Zusätzlich zur mechanischen Vorreinigung, zum Nährstoff-Abbau in der biologischen Stufe sowie zur Schlammbehandlung kommen weitere Prozesse – wie etwa Nitrifikation, Denitrifikation, Phosphatfällung und biologische Phosphorelimination – dazu. In Versuchsanlagen werden sie von Fachleuten der Eawag, die eng mit dem VSA verbunden sind, zur Praxisreife entwickelt und kontinuierlich optimiert.

Die Abwasserreinigung entwickelt sich bis heute kontinuierlich weiter:

  • Erste Stufe: In den 1950er-Jahre beschränkt sich die Abwasserreinigung vielfach auf die mechanische Reinigung, d.h. den Betrieb einer Vorklärung. Damit wird jedoch nur ein Teil der organischen Belastung aus dem Abwasser entfernt.
  • Zweite Stufe: In den 1960er-Jahren setzt sich die biologische Abwasserreinigung durch, insb. das Belebtschlammverfahren. Damit werden rund 90% der biologisch abbaubaren Stoffe aus dem Abwasser entfernt.
  • Dritte Stufe: In den 1970er-Jahren werden die grossen Kläranlagen mit einer chemischen Reinigungsstufe in Form einer Phosphatfällung ausgerüstet. Damit wird zusätzlich zu den biologisch abbaubaren Stoffen auch der algenfördernde Phosphor aus den Abwässern eliminiert.
  • Stickstoffelimination: Um das fischtoxische Ammonium resp. Nitrit sowie das düngewirksame Nitrat aus dem Abwasser zu entfernen, werden die ARA in den 1980er– und 1990er-Jahren vergrössert und ausgebaut (sog. Nitrifikation resp. Denitrifikation).
  • Vierte Stufe: Ab den 2010er-Jahren geraten die sog. Mikroverunreinigungen (Spurenstoffe) in den Fokus der Gewässerschützer. Ab 2014 werden ausgewählte ARA durch den Bund verpflichtet, diese aus dem Abwasser zu entfernen. Dazu kommen vorwiegend Verfahren mit Aktivkohle oder mit Ozonierung zur Anwendung.

1971: Abwasserreinigung wird Vorschrift

Das 1971 erlassene zweite Gewässerschutzgesetz verlangt u.a. die Behandlung jeglicher Abwässer vor der Einleitung resp. Versickerung, schreibt den Kläranlagen im Einzugsgebiet von Seen die Phosphatfällung vor, legt für verschiedene Nähr- und Schadstoffe numerische Anforderungen als Qualitätsziele für Fliessgewässer und erhebt Grundwasserschutzzonen zur Pflicht.

Unter dem Druck dieser strengeren Vorschriften setzen sich die verschiedenen Verfahren zur Abwasserreinigung relativ rasch durch.

1 kg Phospor in stehenden Gewässern bewirkt Wachstum von 1 t Algen
Ein in ein stehendes Gewässer gelangendes Kilogramm Phosphat löst das Wachstum von rund einer Tonne Biomasse (Algen) aus. Wenn die Algen absinken, werden im Tiefenwasser 140 kg Sauerstoff verbraucht, was dem Sauerrstoffgehalt von 16000 Kubikmetern Wasser entspricht. (Quelle: BG)

1986: Phosphatverbot

1986 setzen die Behörden schliesslich ein Phosphatverbot für Textilwaschmittel durch. Dazu kommen weitere Massnahmen an der Quelle wie griffigere Düngemittelvorschriften in der Landwirtschaft, Einschränkungen des Verbrauchs wassergefährdender Stoffe bis hin zu Verboten sowie Auflagen zur Vorbehandlung belasteter Abwässer aus Industrie- und Gewerbebetrieben.

1989: Generelle Entwässerungsplanung (GEP)

Ordner und Titelbild GEP-Musterbuch, 1989

Fast zehn Jahre bevor die Gewässerschutzverordnung (1998) die Erstellung von generellen Entwässerungsplänen verlangen wird, publiziert der VSA im Jahr 1989 die «Richtlinie für die Bearbeitung und Honorierung des GEP» und im 1992 das sog. «GEP-Musterbuch». Für eine ganze Generation von Ingenieuren bilden diese Dokumente die Grundlage für die Erarbeitung der Erst-GEP. Die periodische Aktualisierung der GEP inkl. Zustandsaufnahmen garantiert die systematische Planung und Umsetzung der Werterhaltungsmassnahmen und somit ein funktionstüchtiges Abwasserentsorgungssystem. Der GEP zeigt den Ist-Zustand, den Handlungsbedarf sowie die entsprechenden Massnahmen auf und ist damit auch heute noch DIE Grundlage für den Gewässerschutz auf regionaler und kommunaler Ebene.

1994: Verursachergerechte Finanzierung

Titelbild Finanzierung der Abwasserentsorgung

Seit 1991 stipuliert das Gewässerschutzgesetz im Art. 60a für die Finanzierung der Abwasserentsorgung das Verursacherprinzip. Seither müssen die Kosten für Bau, Betrieb, Unterhalt, Sanierung und Ersatz der Abwasseranlagen über Gebühren finanziert werden. Der Einsatz von Steuermitteln ist nicht mehr zulässig. Die VSA-FES Richtlinie «Finanzierung der Abwasserentsorgung» schlägt verschiedene Modelle für die verursachergerechte Finanzierung auf Gemeinde- und Verbandsebene vor. Weil diese Modelle auch die für zukünftige Sanierungen notwendigen Rückstellungen umfassen, ist seither auch die Finanzierung der in den GEP aufgezeigten Werterhaltungsmassnahmen sichergestellt.

2002: Bewirtschaftung des Regenwassers

2014: ARA eliminieren neu auch Mikroverunreinigungen

Zum Schutz der Gewässer vor Substanzen wie Medikamenten, Hormonen oder Bioziden, welche die Gesundheit und die Fortpflanzung der Fische bereits in sehr tiefen Konzentrationen gefährden können, beschliesst das Parlament, dass in der Schweiz rund 100 Kläranlagen speziell aufgerüstet werden sollen. Weil es sich dabei um neue Technologien handelt und viel Grundlagenwissen zuerst erarbeitet werden muss, beauftragt das BAFU im 2012 VSA und Eawag, die sog. «Plattform Verfahrenstechnik Mikroverunreinigungen» zu betreiben. Ab dem Jahr 2014 betreiben VSA und Eawag mit der «Plattform Wasserqualität» eine weitere nationale Drehscheibe. Diese trägt mit ihren NAWA-SPEZ-Messungen viel dazu bei, dass die negativen Auswirkungen des Pestizideinsatzes auf unsere Gewässer breit diskutiert und durch die Politik aufgegriffen werden.

Situation heute: Ein Bauwerk der Superlative

Anders als in den 1960er Jahren ist heute das Baden in den Schweizer Gewässern wieder möglich. Weltweit gehören sie zu den saubersten.

Mittlerweile sind 98 Prozent aller Haushalte einer ARA angeschlossen, womit das Ausbaupotenzial praktisch ausgeschöpft ist. Alle diese Fortschritte haben die natürlichen Gewässer markant von Nährstoffen, Schwermetallen und weiteren problematischen Substanzen entlastet. Sie haben damit nicht nur eine Aufwertung der Lebensraumqualität für Wasserorganismen erfahren, sondern laden inzwischen auch wieder zum sorglosen Baden. Seuchen und Krankheiten aufgrund mangelnder Siedlungshygiene gehören längst der Vergangenheit an.
Heute liegt hierzulande ein Kanalnetz von 130’000 Kilometern Länge unter unseren Füssen, was dem dreifachen Erdumfang entspricht. Der Wert der Abwasser- und Trinkwasseranlagen entspricht einem beachtlichen Volksvermögen von rund 30’000 Franken pro Einwohner. Für eine vierköpfige Familie sind dies also weit über 100‘000 Franken.

Die Schweiz ist nicht vor Trinkwasserverschmutzungen gefeit!

Wenn diese Wasserinfrastrukturen nicht systematisch in Stand gehalten werden, droht auch bei uns wieder Seuchengefahr. So ist es in der Vergangenheit wiederholt zu Epidemien gekommen:

Abb. 7: Ohne einen fachgerechten Unterhalt der bestehenden Kanalisationen drohen auch in der Schweiz Grundwasserverschmutzungen durch versickerndes Abwasser.

1963 bricht in Zermatt (VS) eine schwere Typhusepidemie aus, die drei Todesopfer fordert und zur Hospitalisierung von über 450 Personen führt. Weil wegen einem beliebten Skirennen Touristen aus aller Welt in Zermatt weilen, wird die Krankheit nicht nur nach Zürich, Solothurn, Zug, Basel und Bern verschleppt, sondern auch nach England, Holland, Frankreich, Österreich und Deutschland.

1998 kam es in La Neuveville (BE) zu einer Trinkwasserverschmutzung, die eine Magen-Darm-Epidemie auslöste. 1‘600 Menschen erkrankten, etwa 80% der Einwohnerinnen und Einwohner der Gemeinde waren von diesem Zwischenfall betroffen. Von schadhaften Kanalisationsleitungen sickerte Abwasser ins Grundwasser im Gebiet einer Grundwasserfassung und verschmutzte so das Trinkwasser.

Abb. 8: Im Sommer 2015 verteilen die Behörden in Le Locle (NE) gratis Mineralwasser, weil das Trink-wasser durch Abwasser verschmutzt worden ist. Dadurch sind über 1’000 Betroffenen an einer Magen-Darm-Grippe erkrankt.

2008 wurde in Adliswil (ZH) das Trinkwasser verschmutzt, als bei Reparaturarbeiten in der Abwasserreinigungsanlage ca. 60’000 Liter Brauchwasser ins Trinkwasser gelangten. Dabei erkrankten rund 200 Menschen, und die 15‘600 Bewohnerinnen und Bewohner von Adliswil durften temporär nur noch abgekochtes Leitungswasser trinken.

2015 kam es in le Locle (NE) zu einer Verunreinigung des Trinkwassers mit Fäkalbakterien. Etwa 1‘000 Bewohnerinnen und Bewohner hatten sich durch Trinken des verseuchten Leitungswasser angesteckt und es kam zu zahlreichen Magen-Darm-Erkrankungen.

In allen Fällen sind auf unterschiedlichen Wegen Fäkalkeime aus Abwasseranlagen in das Trinkwasser der betroffenen Orte gelangt. Die systematische Wartung und der professionelle Betreib der Wasser-Infrastrukturen hätte diese gravierenden Epidemien verhindert.