Umnutzung der ehemaligen ARA Erstfeld zur Fischzucht: Das Basis 57 Pro
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Mit dem Projekt Basis 57 verwandelt sich die frühere Abwasserreinigungsanlage (ARA) in Erstfeld (UR) in eine hochmoderne Fischzucht, die Bergwasser aus dem Gotthard-Basistunnel nutzt. Das Vorhaben verbindet Kreislaufwirtschaft, regionale Wertschöpfung und Innovation – steht aber auch vor finanziellen Herausforderungen.




Bildquellen: Afry Schweiz
Projektauslöser / Auslöser für die Umnutzung
Die ARA Erstfeld war nicht mehr in Betrieb, wodurch vorhandene Infrastruktur zu einem attraktiven Standort für eine neue Nutzung wurde. Beim Nordportal des Gotthard-Basistunnels tritt sehr reines Bergwasser mit Temperaturen von 14–16 °C aus, das sich ideal für die Fischzucht eignet. Die Gründung der Basis 57 nachhaltige Wassernutzung AG zielte darauf ab, lokales Wasserressourcenpotenzial zu nutzen und eine nachhaltige Speisefischproduktion aufzubauen. Der Kanton Uri unterstützte das Projekt im Rahmen der Neuen Regionalpolitik (NRP), um neue Wertschöpfung und Arbeitsplätze zu schaffen.
Projektbeschrieb
Die Basis 57 Fischzucht nutzt bei Erstfeld (UR) austretendes Bergwasser aus dem Nordportal des Gotthard-Basistunnels für die Zucht von Zander (Gotthard-Zander) und anderen einheimischen Süßwasserfischen. In einem rezirkulierenden Aquakultursystem (RAS) wird das Wasser mehrfach verwendet, gefiltert und aufbereitet, bevor ein Teil wieder in die Reuss eingeleitet wird. Geplant ist ein mehrstufiger Ausbau: Von einer Anfangsproduktion von rund 180 Jahrestonnen bis zu einem Endziel von bis zu 1’200 t Fisch pro Jahr. Betreiber war ursprünglich die Basis 57 AG, seit 2024 übernimmt die Swiss Lachs Gottardo AG den Betrieb und will künftig auch Lachs züchten.
Informationen zum Baubewilligungsverfahren
Die Baubewilligung für die Fischzuchtanlage wurde im Dezember 2018 erteilt. Die Projektplanung umfasste eine Gesamtstudie, Vorstudien und die Umsetzung in mehreren Etappen. AFRY war als Projekt- und Gesamtleiterin – insbesondere für Planung, Bauleitung, Brandschutz, Struktur, Anlagenplanung – eingebunden. Im Rahmen der NRP-Förderung erfolgte eine Begutachtung durch kantonale Stellen, und es wurden Darlehen und Fördermittel bereitgestellt.
Erfahrungen mit dem gewählten Instrument/Bewilligungsverfahren
Der Kanton Uri hat das Projekt mehrfach aktiv unterstützt: Bereits 2009 wurde eine Nutzungskonzession fürs Tunnelwasser in Aussicht gestellt, 2015 eine Konzession für eine Laboranlage erteilt. Durch die NRP-Finanzierung war eine enge Kontrolle und Begleitung nötig: Jahresberichte, Abschlussberichte und Prüfungen wurden von der kantonalen Fachstelle durchgeführt. Die Bewilligung lief offenbar insgesamt erfolgreich, allerdings zeigte sich später eine finanzielle Herausforderung, was im Nachlassverfahren endete.
Raumplanerische Aspekte
Die Umnutzung erfolgt auf einer Parzelle von etwa 18’300 m² westlich des NEAT/Nordportals, die von der Korporation Uri im Baurecht vergeben wurde. Die Standortwahl ist städtebaulich gut eingebettet: er liegt nahe dem Gotthardportal, mit guter Verkehrsanbindung und in einer Region, in der Nutzungsplan und Zonenordnung entsprechend angepasst wurden. Das Projekt ist Teil stärkerer regionaler Entwicklung: In Erstfeld besteht ein umfassendes Orts- und Siedlungsleitbild, das langfristige Projekte wie diesen einbindet.
Überlegungen zu Kreislaufwirtschaft / Netto Null / grauer Energie
Das RAS-System recycelt etwa 90% des Wassers, was den Verbrauch stark reduziert. Teil des Abwassers wird aufbereitet und in die Reuss zurückgeführt, was eine umweltverträgliche Kreislaufnutzung fördert. In der Wirkungsmessung (Regiosuisse) ist dokumentiert, dass Fischabfälle (z. B. Schlamm) zu Biogas verwertet werden sollen, und Restwasser zur Hydroponik (Salatanbau) verwendet werden kann. Energieeffizienz: Wärmetauscher und eine PV-Anlage tragen zur Reduktion des Energiebedarfs bei.
Überlegungen zu Denkmalschutz / Baukultur
Die frühere ARA war weder unter Denkmalschutz noch ein historisch wertvolles Bauwerk . Die neue Fischzuchtanlage wurde jedoch von einer Landschaftskommission geprüft, und das Architektur- bzw. Tragwerksdesign erfolgte in BIM, um hochwertige Planung und Integration sicherzustellen. In einem Heimatschutz Journal wird die Umnutzung als Beispiel für spektakuläre Raumqualitäten und neue Nutzung in einem industriellen Kontext erwähnt.
Stolpersteine / Hindernisse
Finanzielle Schwierigkeiten: Trotz Förderungen geriet die Basis 57 in eine finanzielle Krise, was Ende 2023 zur provisorischen Nachlassstundung führte. Absatz- und Marktprobleme: Der anspruchsvolle Markt für Schweizer Speisefisch, verbunden mit hohen Betriebskosten, erschwerte die Rentabilität. Baurechtsfragen: Die Baurechtsparzelle ist nicht Teil der späteren Übernahme durch Swiss Lachs, was komplexe vertragliche Konstrukte erforderte. Risiko der Skalierung: Der geplante Ausbau bis 1’200 t/Jahr war ambitioniert; im Jahr 2022 lag die Produktion deutlich tiefer, was auf Markt- und betriebliche Limitationen hinweist.
Lessons learned
Das Projekt zeigt eindrücklich, wie alte Infrastrukturen (ehemalige ARA) neu gedacht und ressourcenschonend genutzt werden können. Kreislaufwirtschaft ist nicht nur technisch, sondern auch wirtschaftlich herausfordernd: Die technische Machbarkeit reicht nicht, wenn Markt oder Finanzierung nicht mitspielen. Innovationsprojekte mit starkem Nachhaltigkeitsfokus benötigen kontinuierliche Unterstützung – auch über Förderprogramme wie die Neue Regionalpolitik NRP hinaus, um langfristig wirtschaftlich zu bestehen. Die Übernahme durch Swiss Lachs kann als zweiter Akt gesehen werden: Die Idee lebt weiter, allerdings unter anderen Rahmenbedingungen (Lachs statt vor allem Zander). Damit wird die Infrastruktur weiter genutzt, und Arbeitsplätze bleiben erhalten. Als Leuchtturmprojekt war Basis 57 nicht nur wirtschaftlich relevant, sondern diente auch als Kompetenzzentrum für Aquakultur in der Region.
Projektinformationen
Planung und Fertigstellung: 2016–2022
Projektkosten der ARA-Umnutzung in CHF: 25–30 Mio.
Kanton: Uri
Gemeinde: Erstfeld
Einwohnerwert EW des Gebietes: –
Eigentümer/-in: Korporation Uri
Bauherrschaft: Basis 57 nachhaltige Wassernutzung AG
Externe Projektleitung: AFRY Schweiz
Autorenschaft Projektpräsentation: Paul Sicher, Web-Recherche
Kontakt für weitere Auskünfte
Weitere Informationen
- https://afry.com/de-ch/projekt/fischzucht-basis-57
- https://regiosuisse.ch/projects/ext/864/kompetenzzentrum-fischzucht-erstfeld?
- https://www.heimatschutz.ch/fileadmin/downloads/03_was_wir_tun/zeitschrift/heimatschutz-patrimoine_3-2024.pdf
- https://www.ur.ch/_docn/414310/LA.2024-0387_II._Beilage_zu_Bericht_des_Regierungsrats.pdf
- https://www.korporation.ch/fileadmin/dateien/seiten/3_media/1_aktuell/2024/2024.07.19_mm_basis57.pdf
- https://www.schweizerbauer.ch/artikel/politik-wirtschaft/agrarwirtschaft/fischzucht-mit-gotthard-tunnelwasser