Abwasserentsorgung Werkstatt und Waschanlage für Zugwaggons (6-2020)
Frage
Es wird eine Halle für Wartungsarbeiten für Züge mit Waschanlage gebaut.Dort wird unteranderem auch der Unterboden der Zugwaggons gereinigt, somit fallen Öle und Fette an.
In der SN 592 000 : 2012 von Seite 98 bis 103 werden verschiedene Anlagen mit der benötigten Abwasserentsorgung beschrieben.
Betreffend Waschanlage oder Werkstatt für einen Zug finde ich dort leider nichts, deshalb möchte ich wissen, ob das z.B. wie bei der Gewerblichen Autowaschanlage (SN 592 Punkt 9) oder Autoreparatur- und Servicebetriebe, Werkhöfe (SN 592 Punkt 12) ausgeführt werden darf?
Antwort
Die SN 595’000:2012 kann durchaus hilfreich für die Ausführung eines Waschplatzes für Züge sein. Jedoch ist diese Schweizer Norm bereits acht Jahre alt und in dieser Zeit hat sich der Stand der Technik weiter entwickelt. Ausserdem steht sie im Begriff, revidiert zu werden.
Grundsätzlich ist folgendes zu beachten:
- Der Waschplatz muss dicht sein. Das Abwasser darf nicht versickern.
- Der Waschplatz sollte überdacht sein. Es ist dafür zu sorgen, dass Regenwasser nur kontrolliert (z.B. als Ergänzung von Waschwasser) in den Waschkreislauf gelangt.
- Die Abwasservorbehandlung ist so zu konzipieren, dass bei Einleitung in die Kanalisation die Anforderungen der Gewässerschutzverordnung Anhang 3.2 eingehalten werden.
- Das Abwasser ist zu recyclen.
Mit dem Klimawandel und der Knappheit von Trinkwasser, ist bei neuen Waschanlagen eine Kreislaufführung (90%) wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll. Bei Waschanlagen mit einem Wasserverbrauch ab 2 m³ pro Tag bietet sich eine Kreislaufführung sowieso an. Meistens kann die Waschanlage auch mit einer Regenwassernutzung kombiniert werden, was den Trinkwasserverbrauch und den Verbrauch an Reinigungsmitteln weiter reduziert.
In Ihrem Fall empfehlen wir den Einsatz einer biologischen Abwasservorbehandlung oder einer Spaltanlage.
Biologische Abwasservorbehandlung:
Die im Abwasser enthaltenen organischen Verbindungen werden in der biologischen Abwasservorbehandlung einem Abbauprozess unterzogen. Der Abbau erfolgt im Wesentlichen durch Mikroorganismen in Verbindung mit gelöstem Sauerstoff (aerober Prozess) oder unter Sauerstoffauschluss (anaerober Prozess). Dabei entstehen anorganische Verbindungen und Biomasse (Schlamm). Allfällige Schwermetalle lagern sich im Schlamm ab. Der Schlamm ist deshalb als Sonderabfall zu entsorgen.
Spaltanlage:
Spaltanlagen sind physikalisch-chemische Abwasserreinigungsanlagen, die speziell geeignet für die Behandlung von Schwermetallen und Kohlenwasserstoffen sind. Das Prinzip basiert auf der chemischen Abspaltung der Schmutzstoffe vom Wasser. Die geflockten Verunreinigungen werden nachfolgend physikalisch abgetrennt. Dazu werden verschiedene Filter verwendet. Es werden chemischen Zusätze (Spaltmittel) benötigt, die je nach Abwassermenge beträchtliche Betriebskosten verursachen.