Das Gelände der ehemaligen ARA Frinvillier ist wieder Teil der Natur
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Die ARA Frinvillier behandelte fast 30 Jahre lang die Abwässer von mehreren Gemeinden und einer Papierfabrik im Berner Jura. Dann wurde sie aufgehoben. Die ARA lag unmittelbar am Ufer der Schüss. Nach erfolgtem Rückbau der Anlage wurde das Gelände ökologisch aufgewertet und der Natur zurückgegeben.




Bildquellen: swisstopo (Bild 1, Bild 2), Adrian Kindler (Bild 3, Bild 4)
Projektauslöser / Auslöser für die Umnutzung
Die ARA Frinvillier behandelte nicht nur das Abwasser der angeschlossenen Gemeinden mit ihren 4000 Einwohnerinnen und Einwohnern, sondern auch jenes der Papierfabrik in Rondchâtel. Nachdem dort der Betrieb eingestellt wurde, war die ARA überdimensioniert. Es brauchte eine neue Lösung. Ein Variantenvergleich zeigte, dass der Anschluss an die ARA Biel günstiger und auch nachhaltiger war als der Weiterbetrieb einer verkleinerten ARA. So wurde in den Jahren 2005 bis 2009 eine Verbindungsleitung durch die Taubenlochschlucht gebaut. Nach erfolgtem Anschluss wurde die ARA ausser Betrieb genommen und zum grossen Teil rückgebaut. Das frei gewordene Gelände stand für eine ökologische Aufwertung zur Verfügung.
Gründe für die gewählte Kategorie
Die besondere Lage der ARA Frinvillier – direkt an der Schüss und am Eingang der eindrucksvollen Taubenlochschlucht – bot ideale Voraussetzungen für eine ökologische Neugestaltung des Areals. Da die Standortgemeinde keinen weiteren Bedarf an den bestehenden Gebäuden und der Fläche anmeldete, fiel der Entscheid zugunsten eines weitgehenden Rückbaus der Anlage. Ziel war es, das Gelände für die ökologische Aufwertung des Flusses sowie des Uferbereichs zu nutzen und damit neuen Lebensraum für Pflanzen und Tiere zu schaffen. Die vorgesehenen Massnahmen dienten zugleich als Kompensation für die Eingriffe, die beim Bau der Anschlussleitung durch die Taubenlochschlucht notwendig waren. Das Projekt erhielt einen Förderbeitrag aus dem Ökofonds der ESB Energie Service Biel/Bienne.
Projektbeschrieb
Um die 1.7 Kilometer lange und schwer zugängliche Anschlussleitung zu schützen, blieb die Vorbehandlungsanlage der ehemaligen ARA Frinvillier bestehen und wurde erneuert. Dazu gehören die Rechenanlage, der belüftete Sandfang sowie das Regenklärbecken. Alle übrigen Anlageteile – darunter die Klärbecken, die Faultürme und das Betriebsgebäude – wurden bis auf einen Meter unter das Terrain rückgebaut. Die im Boden verbleibenden Betonstrukturen wurden perforiert, damit das Grundwasser ungehindert fliessen kann. Mit dem Rückbau der Klärbecken entstand zusätzlicher Raum für die Schüss. In den vergangenen Jahren entwickelten sich dort ökologisch wertvolle Kiesbänke. Die Uferbereiche wurden mit naturnahen Massnahmen gesichert, während an erhöhten Stellen Steinhaufen aufgeschüttet wurden, die als Rückzugsorte für viele Kleintiere dienen. Einzelne Betonmauern blieben bewusst erhalten, um Ruderalflächen anzulegen – wertvolle Standorte für spezialisierte Pflanzenarten. An den früheren Standorten der Schlammfaultürme entstanden zudem zwei Amphibienteiche, die den neuen Naturraum zusätzlich bereichern. Heute, gut 15 Jahre nach dem Rückbau, hat sich die Natur das Gelände eindrucksvoll zurückerobert. Pflanzen und Tiere haben den ehemaligen Standort der ARA Frinvillier wieder vollständig besiedelt und einen vielfältigen Lebensraum geschaffen. Kaum mehr vorstellbar ist, dass sich hier einst eine ARA mit einer Kapazität von rund 20’000 Einwohnerwerten befand. Wo früher technische Infrastruktur dominierte, prägen heute wertvolle Lebensräume das Bild.
Informationen zum Baubewilligungsverfahren
Der Rückbau der ARA Frinvillier sowie die Revitalisierung des Areals waren Bestandteil der Gesamtbaubewilligung für den Anschluss an die ARA Biel. Diese umfasste zugleich den Bau der Verbindungsleitung durch die Taubenlochschlucht. Aufgrund der besonderen Anforderungen und der sensiblen Umgebung des Projekts waren zahlreiche kantonale Fachstellen beteiligt. Sie wurden bereits frühzeitig in den Planungsprozess eingebunden, um die unterschiedlichen Interessen und Anforderungen sorgfältig abzustimmen. Für die Umsetzung waren mehrere Sonderbewilligungen erforderlich, die jeweils mit spezifischen Auflagen verbunden waren.
Erfahrungen mit dem gewählten Instrument/Bewilligungsverfahren
Das gewählte Bewilligungsverfahren hat sich bewährt. Gegen die Umnutzung (Revitalisierung) des Geländes gab es keine Widerstände.
Raumplanerische Aspekte
Die Parzelle liegt heute in der Landwirtschaftszone, wobei sich ein grosser Teil davon im Gewässerraum der Schüss befindet.
Überlegungen zu Kreislaufwirtschaft / Netto Null / grauer Energie
Indem Teile der Betonstruktur im Untergrund belassen wurden, konnte der Aufwand und somit der Energieverbrauch für den Rückbau der ARA reduziert werden. Die Revitalisierung des Areals bindet CO2, verbessert den Hochwasserschutz, erhöht die Biodiversität und stellt die natürlichen Kreisläufe wieder her.
Überlegungen zu Denkmalschutz / Baukultur
In diesem Zusammenhang gab es weder Auflagen noch den Wunsch, Bauteile zu erhalten. Einzig die Teiche wurden bewusst an der Stelle der beiden Faultürme angelegt, um an diese markanten Bauwerke zu erinnern.
Stolpersteine / Hindernisse
Die Planung und der Bau der Verbindungsleitung durch die Taubenlochschlucht stellten die Beteiligten vor anspruchsvolle Herausforderungen. Der Rückbau der ARA Frinvillier sowie die anschliessende Revitalisierung des Geländes konnten hingegen ohne nennenswerte Probleme umgesetzt werden.
Lessons learned
Der frühzeitige Einbezug der kantonalen Fachstellen hat sich bewährt. Dadurch konnte von Beginn an ein bewilligungsfähiges Projekt entwickelt werden, das die unterschiedlichen Interessen und Anforderungen möglichst umfassend berücksichtigte. Auch der Entscheid, die ARA Frinvillier rückzubauen und das frei gewordene Areal umfassend zu revitalisieren, hat sich als zukunftsweisend erwiesen. Neben der deutlichen ökologischen Aufwertung entstand auch ein Gewinn für das Orts- und Landschaftsbild. Davon profitiert heute nicht nur die Natur, sondern auch die Bevölkerung sowie die zahlreichen Besucherinnen und Besucher, die in der Taubenlochschlucht Erholung und Naturerlebnisse suchen.
Projektinformationen
Planung und Fertigstellung: 2005 – 2011
Projektkosten der ARA-Umnutzung in CHF: 0.5 Mio.
Kanton: Bern
Gemeinde: Frinvillier (Gemeinde Sauge)
Einwohnerwert EW des Gebietes: ca. 5000
Eigentümer/-in: Syndicat pour l’épuration des eaux usées de la région des gorges
Bauherrschaft: Syndicat pour l’épuration des eaux usées de la région des gorges
Externe Projektleitung: BG Ingénieurs Conseils SA
Beteiligte: Umweltbüro Le Foyard
Autorenschaft Projektpräsentation: Adrian Kindler