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Das Gelände der ehemaligen ARA Lotzwil ist wieder Landwirtschaftsland

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Obwohl für die ehemalige ARA Lotzwil zeitweise sogar eine Auenlandschaft entlang der Langeten diskutiert wurde, entstand letztlich wieder Kulturland. Heute wird die Fläche landwirtschaftlich genutzt.

Informationen im Überblick
Wo früher Abwasser gereinigt wurde, werden heute Nahrungsmittel produziert.  (Stand 2012)
Wo früher Abwasser gereinigt wurde, werden heute Nahrungsmittel produziert. (Stand 2012)
Luftbild mit der ehemaligen ARA Lotzwil (Stand 2004)
Luftbild mit der ehemaligen ARA Lotzwil (Stand 2004)
Luftbild aktuell (Stand 2024)
Luftbild aktuell (Stand 2024)

Bildquellen: ZALA AG (Bild 1), swisstopo (Bild 2, Bild 3)

Wie die übrigen drei Anlagen innerhalb des Einzugsgebiets der heutigen ZALA AG verlor auch die ARA Lotzwil mit der Inbetriebnahme der neuen regionalen ARA Eymatte ihre Funktion. Die Abwasserreinigung wurde zentralisiert und das Abwasser fortan über das regionale Zulaufsystem zur neuen Anlage in Aarwangen geführt. Damit stellte sich die Frage, wie das freiwerdende Gelände künftig genutzt werden sollte. Im Gegensatz zu Aarwangen bestanden jedoch keine naturschutzrechtlichen Verpflichtungen oder Kompensationsauflagen, welche eine bestimmte Nachnutzung vorgegeben hätten. Dadurch stand den Beteiligten ein vergleichsweise grosser Handlungsspielraum offen.

Die Idee für den Zusammenschluss der ARA Langenthal, Aarwangen, Lotzwil und Huttwil entstand aus dem gleichzeitigen Sanierungs- und Erweiterungsbedarf der Anlagen sowie der Anforderung, dass die Mischabwasserentlastungen der Stadt Langenthal künftig nicht mehr in den Brunnbach erfolgen dürfen, sondern in die Aare abgeleitet werden müssen (Trockenwetterabfluss Brunnbach rund 50 l/s, Entlastungsspitzen bis 15 m3/s!).

Die von den regionalen Akteuren in Auftrag gegebene und vom Kanton über den Abwasserfonds finanzierte Machbarkeitsstudie bestätigte, dass ein Zusammenschluss langfristig tiefere Investitions- und Folgekosten ermöglicht als Einzelprojekte. Der anschliessende Planungsprozess wurde von den regionalen Akteuren eigenverantwortlich weitergeführt, während der Kanton bei Finanzierungs- und Rechtsfragen unterstützte.

Der kantonale Sachplan Siedlungsentwässerung (VOKOS 1997) bestätigte den hohen Handlungsbedarf der vier ARA sowie den Zusammenschluss als wirtschaftlichste Lösung, was in einer kritischen Phase, als die Stadt Langenthal nochmals den Alleingang überprüfen wollte, entscheidend war: Beiträge aus dem Abwasserfonds wären vom Kanton nur an den Zusammenschluss, nicht aber an die Sanierung der bestehenden Anlagen gesprochen worden.

Der Zusammenschluss Abwasserregion Langetental (ZALA) war schweizweit der erste grossräumige Zusammenschluss aller Kläranlagen innerhalb eines Flusseinzugsgebietes. Dank dieser Pioniertat wurde die gesamte Fliessstrecke der Langete abwasserfrei und der ökologisch wertvolle Brunnbach von massiven Mischabwasserentlastungen befreit.

Weitere Informationen: Geschichte — ZALA   | Meilensteine — ZALA.

Nach der Stilllegung wurde die Anlage vollständig zurückgebaut. Sämtliche Bauwerke, Becken, Leitungen und technischen Einrichtungen wurden entfernt. Anschliessend wurde das Gelände aufgefüllt und rekultiviert. Der rechtskräftige Gesamtbauentscheid legte detailliert fest, wie die Wiederherstellung des Bodens zu erfolgen hatte. Vorgesehen waren insbesondere:
• Auffüllung mit geeignetem Aushubmaterial,
• Einbau von rund 70 cm Unterboden,
• Auftrag von rund 30 cm Oberboden,
• Wiederherstellung einer dauerhaft landwirtschaftlich nutzbaren Fläche.

Die spätere landwirtschaftliche Nutzung war keineswegs die ursprünglich bevorzugte Lösung. Bis zur Baubewilligung wurden verschiedene Varianten diskutiert: die Umnutzung des Geländes als Werkhof für die Gemeinde, die Rekultivierung als Landwirtschaftsland, die Umwandlung des ARA-Areals in ein Naturschutzgebiet sowie die Entwicklung einer grösseren Auenlandschaft entlang der Langeten. Insbesondere die Auenvariante stiess bei den beteiligten Fachstellen auf Interesse. Vorgesehen waren u.a. die Aufwertung des Gewässerraums, neue Lebensräume sowie Anpassungen am Hochwasserschutz. Im weiteren Projektverlauf zeigte sich jedoch, dass die Umsetzung mit erheblichen finanziellen und organisatorischen Herausforderungen verbunden gewesen wäre. Es fehlten eine gesicherte Finanzierung, eine langfristige Trägerschaft sowie klare Regelungen zum Unterhalt. Schliesslich setzte sich damit jene Variante durch, die am einfachsten umsetzbar war: die Rückführung der Fläche in die landwirtschaftliche Nutzung.

Die Baustellenrapporte aus dem Jahr 2005 zeigen, dass die Arbeiten weitgehend planmässig verliefen. Die Rückbauarbeiten wurden abgeschlossen, die Auffüllung vorgenommen und die Rekultivierung vorbereitet. Gleichzeitig bestätigten die Kontrollen, dass keine relevanten Bodenverunreinigungen vorhanden waren, welche eine landwirtschaftliche Nutzung in Frage gestellt hätten. Heute befindet sich die ehemalige ARA-Parzelle im Eigentum eines Landwirtes aus der Gemeinde und wird vollumfänglich landwirtschaftlich genutzt. Zudem verläuft über das Grundstück weiterhin die Entlastungsleitung DN700 des Regenüberlaufbeckens Hintermatten. Die Leitung bestand bereits während der Betriebszeit der ARA und ist bis heute Teil der regionalen Abwasserinfrastruktur.

Der Gesamtbauentscheid vom 31. August 2004 bewilligte ausdrücklich:
• den vollständigen Abbruch der bestehenden ARA,
• die Auffüllung und Rekultivierung des Geländes,
• die spätere Freigabe für die landwirtschaftliche Nutzung.

Darüber hinaus enthielt die Bewilligung detaillierte Anforderungen an Bodenschutz, Entsorgung, Gewässerschutz und Wiederherstellung des Terrains. Die Behörden legten besonderen Wert darauf, dass die Rekultivierung fachgerecht ausgeführt und der Boden langfristig wieder als Kulturland nutzbar wird.

Aus heutiger Sicht zeigt Lotzwil besonders deutlich, dass die grössten Herausforderungen häufig nicht im technischen Rückbau liegen. Der eigentliche Abbruch der Anlage war vergleichsweise unproblematisch. Die schwierigeren Fragen betrafen vielmehr die zukünftige Nutzung des Standorts. Über längere Zeit wurde diskutiert, ob die Fläche für Naturschutz- oder Vernetzungsprojekte genutzt werden sollte. Letztlich erwiesen sich jedoch Finanzierung, Eigentumsfragen und die langfristige Sicherung von Pflege und Unterhalt als entscheidende Faktoren. Das Projekt verdeutlicht damit, dass selbst fachlich überzeugende Naturschutzprojekte tragfähige organisatorische und finanzielle Grundlagen benötigen, um umgesetzt werden zu können.

Die Lage entlang der Langeten machte den Standort aus ökologischer Sicht besonders interessant. Die diskutierten Naturschutzvarianten hätten einen wertvollen Beitrag zur ökologischen Vernetzung sowie zum Gewässer- und Hochwasserschutz leisten können. Gleichzeitig war die Umgebung seit jeher landwirtschaftlich geprägt. Die Rückführung ins Kulturland entsprach deshalb den bestehenden Nutzungsstrukturen und liess sich ohne zusätzliche planerische Anpassungen umsetzen. Bis heute befindet sich das Grundstück ausserhalb einer Bauzone und wird landwirtschaftlich genutzt.

Wie bei den übrigen Rückbauprojekten wurden die Arbeiten von umfangreichen Umweltauflagen begleitet. Wiederverwertbare Materialien wurden getrennt erfasst und geeigneten Verwertungswegen zugeführt. Gleichzeitig mussten Schadstoffe fachgerecht entfernt werden. Die Baustellenunterlagen dokumentieren insbesondere den Umgang mit PCB-belasteten Materialien sowie die kontrollierte Verwertung beziehungsweise Entsorgung von PAK-belasteten Bauteilen. Der wichtigste Nachhaltigkeitsaspekt bestand jedoch in der vollständigen Wiederherstellung einer produktiven Landwirtschaftsfläche. Statt einer Überbauung oder einer langfristigen technischen Nutzung entstand erneut Kulturland.

Die wichtigsten Herausforderungen waren:
• ungeklärte Finanzierung einer Naturschutzlösung,
• fehlende Trägerschaft für ein Auen- oder Renaturierungsprojekt,
• langfristige Unterhalts- und Pflegefragen,
• Schadstoffmanagement während des Rückbaus,
• fachgerechte Rekultivierung des Bodens.

Gerade die Frage, wer langfristig Verantwortung für ein Naturschutzprojekt übernehmen sollte, erwies sich letztlich als entscheidender Faktor für die Wahl der Nachnutzung.

Der Rückbau der ARA Lotzwil erzählt die Geschichte einer pragmatischen und guten Lösung statt einer nicht realisierbaren Vision. Während die frühen Planungen zeitweise sogar von einer Auenlandschaft entlang der Langeten ausgingen, entschied man sich mangels Umsetzbarkeit schliesslich für eine realistische und langfristig tragfähige Lösung. Heute wird die Fläche wieder landwirtschaftlich genutzt. Die ehemalige Kläranlage ist aus dem Landschaftsbild verschwunden. Gerade dieser Kontrast zwischen ambitionierten Naturschutzideen und der letztlich umgesetzten Rekultivierung macht den Standort besonders interessant. Lotzwil zeigt eindrücklich, dass die Zukunft stillgelegter Infrastrukturstandorte nicht allein durch planerische Möglichkeiten bestimmt wird. Ebenso wichtig sind Eigentumsverhältnisse, Finanzierung, Unterhalt und die Frage, wer bereit ist, langfristig Verantwortung für eine neue Nutzung zu übernehmen.

Planung und Fertigstellung: 2003 – 2005

Projektkosten der ARA-Umnutzung in CHF: 210’000

Kanton: Bern

Gemeinde: Lotzwil

Einwohnerwert EW des Gebietes: 9’000


Eigentümer/-in: Gemeindeverband ARA Lotzwil

Bauherrschaft: ZALA AG, 4912 Aarwangen

Externe Projektleitung: TBF + Partner AG, Bern und Zürich

Beteiligte: TBF + Partner AG, Scheidegger AG, Langenthal (Konzept, Ausschreibung, Bauleitung), ARGE Rückbau ARA (E. Flückiger AG Rothrist, König Langenthal und Gränicher AG Huttwil, Unternehmer), Planatur AG, Roggwil (Endgestaltung/Ökologie), Holinger AG, Baden (Konzept und Baubegleitung Rückbau PCB), Isotech Bern AG (Rückbau PCB-belastetes Fugenmaterial)


Autorenschaft Projektpräsentation: Adriano Spiccia, Christian Fux

ZALA AG | (E-MAIL)

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