Die Umnutzung der ARA Werdhölzli zur öffentlichen Grillstelle
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Wo früher Abwasser gereinigt wurde, treffen sich heute Familien, Vereine und Firmen zum Grillieren am Wasser. Mit der Umnutzung stillgelegter Klärbecken der ARA Werdhölzli hat die Stadt Zürich ein ungewöhnliches Infrastrukturprojekt in einen öffentlich zugänglichen Naherholungsraum verwandelt.




Bildquelle: Sicher/VSA
Projektauslöser / Auslöser für die Umnutzung
Ausgangspunkt war die unbefriedigende Situation der stillgelegten Becken: Einerseits beeinträchtigten sie das Erscheinungsbild, andererseits verursachten sie weiterhin Unterhaltsaufwand. Mit dem Umbau sollte diese Situation verbessert und der Unterhaltsaufwand reduziert werden. Insgesamt wurden vier Becken mit unterschiedlichen Funktionen umgebaut, darunter ein Fischteich mit Grillplatz, ein Bade- und Reinigungsteich sowie ein Biotop. Die Umnutzung des Fischteichs und dessen öffentliche Zugänglichkeit mit dem Grillplatz erfolgten anschliessend im Nachgang zur sogenannten ERZ-Affäre. Im Zentrum der Affäre stand unter anderem die Bekanntwerdung einer internen Badeanlage, die Mitarbeitende auf dem Areal der ARA Werdhölzli in ehemaligen Klärbecken nutzten. Die Öffnung des Fischteichs für die Öffentlichkeit mit einem Grillplatz erfolgte in diesem Zusammenhang als nachgelagerte Umnutzung.
Projektbeschrieb
Das Projekt umfasst die Umnutzung von stillgelegten Klärbecken auf dem Gelände der ARA Werdhölzli. Eines der ehemaligen Becken wurde als Fischteich erhalten, das andere zu einem naturnahen Biotop entwickelt. Ergänzend entstand eine öffentliche Grillstelle mit gedecktem Aufenthaltsbereich, Tischen, Küche und sanitären Anlagen. Die neue Nutzung verbindet Naherholung, Umweltbildung und Landschaftsaufwertung auf einem weiterhin industriell geprägten Infrastrukturareal. Der Bereich wurde baulich vom eigentlichen Betriebsareal der ARA getrennt und sicher erschlossen. Heute kann die Anlage von Privatpersonen und Organisationen gemietet werden und dient gleichzeitig als Anschauungsort für Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Stadtentwicklung.
Informationen zum Baubewilligungsverfahren
Die Grillstelle befindet sich innerhalb eines bestehenden Infrastrukturareals der Stadt Zürich. Zentral waren insbesondere die Trennung zwischen öffentlichem Bereich und laufendem Klärwerksbetrieb sowie Sicherheitsmassnahmen an den Wasserbecken. Die Stadt Zürich kommunizierte, dass zusätzliche bauliche Massnahmen und Einzäunungen notwendig waren, bevor die Anlage öffentlich zugänglich gemacht werden konnte.
Erfahrungen mit dem gewählten Instrument/Bewilligungsverfahren
Das Projekt zeigt, dass Umnutzungen innerhalb bestehender Infrastrukturanlagen möglich sind, wenn Sicherheits- und Betriebsfragen früh geklärt werden. Durch die Weiterverwendung bestehender Becken und Erschliessungen konnte die Planung effizient erfolgen. Gleichzeitig erforderte die öffentliche Nutzung erhöhte Anforderungen an Haftung, Zugangskontrolle und Nutzerführung.
Raumplanerische Aspekte
Raumplanerisch ist das Projekt interessant, weil eine Fläche innerhalb eines technischen Werkareals zusätzlich für die Naherholung genutzt wird. Statt neue Flächen zu versiegeln, wurde durch die Umnutzung ein öffentlich zugänglicher Freiraum geschaffen. Damit verbindet das Projekt verschiedene Nutzungen – technische Infrastruktur, Natur und Freizeit – und trägt zur Aufwertung der Freiräume entlang der Limmat und im Gebiet Werdhölzli bei. Gleichzeitig bleibt die Fläche grundsätzlich als Reserve für künftige Um- und Ausbauten der technischen Infrastruktur vorgesehen.
Überlegungen zu Kreislaufwirtschaft / Netto Null / grauer Energie
Das Projekt ist ein Beispiel für ressourcenschonende Umnutzung. Die bestehenden Betonbecken wurden weiterverwendet statt rückgebaut. Dadurch blieb erhebliche graue Energie erhalten. Gleichzeitig entstanden neue ökologische Funktionen durch Fischteich und Biotop. Ergänzend vermittelt der sogenannte «ERZ-Kreis-Lauf» Besucherinnen und Besuchern spielerisch Wissen über Kreislaufwirtschaft und Wasserreinigung.
Überlegungen zu Denkmalschutz / Baukultur
Die ehemaligen Klärbecken besitzen zwar keinen formellen Denkmalstatus, stehen jedoch exemplarisch für die Industrie- und Infrastrukturgeschichte Zürichs. Durch die Umnutzung bleibt die ursprüngliche Struktur sichtbar und lesbar. Das Projekt zeigt, wie technische Bauwerke mit minimalen Eingriffen in neue Nutzungen überführt werden können, ohne ihre industrielle Identität zu verlieren.
Stolpersteine / Hindernisse
Eine zentrale Herausforderung war die Integration öffentlicher Nutzung in ein weiterhin aktives Klärwerksareal. Sicherheitsfragen, Einzäunungen, Zugangsregelungen und Haftung mussten geklärt werden. Hinzu kamen Fragen des Betriebsunterhalts Auch die Balance zwischen Naturschutz, Wasserflächen und Freizeitnutzung dürfte planerisch anspruchsvoll gewesen sein.
Lessons learned
Die Umnutzung der ehemaligen Klärbecken zeigt, dass technische Infrastrukturen nicht ausschliesslich funktional gedacht werden müssen. Bestehende Anlagen können durch kreative Nachnutzung gesellschaftlichen Mehrwert schaffen. Das Projekt verbindet Nachhaltigkeit, Kreislaufdenken, Freiraumplanung und Umweltbildung auf überzeugende Weise. Besonders bemerkenswert ist, dass mit vergleichsweise kleinen Eingriffen ein neuer öffentlicher Ort mit hoher Aufenthaltsqualität entstanden ist.
Projektinformationen
Planung und Fertigstellung: 2004 – 2008
Projektkosten der ARA-Umnutzung in CHF: unbekannt
Kanton: Zürich
Gemeinde: Zürich
Einwohnerwert EW des Gebietes: 670000
Eigentümer/-in: Stadt Zürich beziehungsweise Entsorgung + Recycling
Bauherrschaft: Stadt Zürich beziehungsweise Entsorgung + Recycling
Externe Projektleitung: Intern (ERZ)
Beteiligte: Stadt Zürich – Entsorgung + Recycling Zürich (ERZ), IGO AG (Vermietung Grillstelle)
Autorenschaft Projektpräsentation: Paul Sicher
Kontakt für weitere Auskünfte
Grillstelle Werdhölzli – Stadt Zürich