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ARA Birs 1 in Reinach: Vom Abwasserwerk zum Erholungsraum am Wasser

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Wo einst Betonbecken das Abwasser von über 30 000 Einwohnern reinigten, mäandriert heute die Birs durch eine offene Flusslandschaft – und ein neuer Natur- und Erlebnisweiher lädt zum Verweilen ein. Die Projekte berücksichtigen die Bedürfnisse der Bevölkerung nach Erholung in Siedlungsnähe.

Informationen im Überblick
Aufgeweitete Birs im Sommer 2026
Aufgeweitete Birs im Sommer 2026
Weiher Sommer 2026
Weiher Sommer 2026
Weiherlandschaft kurz nach Realisierung
Weiherlandschaft kurz nach Realisierung
Abbruch ARA Birs1
Abbruch ARA Birs1

Bildquellen: Christoph Bitterli (Bild 1, Bild 2), Stefanie Würsch (Bild 3), Bau- und Umweltschutzdirektion BL (Bild 4)

Mit dem nötigen Ausbau der Abwasserinfrastruktur im Birstal wurde beschlossen, das gesamte Abwasser zukünftig in der ARA Birs in Birsfelden zu reinigen und die seit 1964 in Betrieb stehende ARA Birs 1 in Reinach aufzuheben und rückzubauen. Die Kosten für den Rückbau der ARA Birs 1 wurden bereits 2004 als Teil des Gesamtkredites der Abwassersanierung Birstal bewilligt. Mit dem Rückbau ergab sich die Möglichkeit, die Birs aus ihrem Korsett zu befreien und den Fluss im Bereich der ehemaligen ARA zu verbreitern und aufzuwerten. Die verbleibende rund 7‘000 m2 grosse Fläche am ehemaligen Standort der ARA Birs 1 lag lange brach. Initiiert im Rahmen der öffentlichen Mitwirkung zur Zonenplanung Landschaft, hat der Gemeinderat die Idee eines Natur- und Erlebnisweihers an der Birs aufgenommen und in den vergangenen Jahren weiterentwickelt.

Nach dem Rückbau der ARA Birs 1 (2007–2008) entstand auf dem frei gewordenen Areal eine naturnahe Flusslandschaft. Die Birs wurde auf 300 Metern von 20 auf bis zu 50 Meter verbreitert, darf nun mäandrieren und bietet mit Inseln, Flachwasserzonen und Kiesbänken neuen Lebensraum für Flora und Fauna. 2020 wurde als Leuchtturmprojekt des «Aktionsplans Birspark Landschaft» ein 1100 m² grosser Natur- und Erlebnisweiher realisiert – gegliedert in einen öffentlichen Erholungsbereich und eine geschützte Naturzone. Als einziges Bauwerk der ehemaligen ARA blieb das Mischwasserbecken in Betrieb.

Der Abbruch der ARA Birs 1 wurde als Teil der Abwassersanierung bewilligt. Die Revitalisierung der Birs auf dem ehemaligen ARA-Gelände erfolgte durch das zuständige Tiefbauamt. Das Baubewilligungsverfahren für den Natur- und Erlebnisweiher wurde von der Gemeinde Reinach als Bauherrschaft geführt. Das Projekt unterlag der kommunalen Zonenplanung und wurde als Grünraum mit der Zweckbestimmung «Umweltbildung/Naturerleben» in der Bau- und Nutzungsordnung verankert.

Die Bewilligung des Abbruchs der ARA und der Revitalisierung verlief problemlos. Sowohl das Areal der ehemaligen ARA wie auch der Birs sind im Besitz des Kantons und wurde der Gemeinde für die Erstellung des Natur- und Erlebnisweihers für einen symbolischen Pachtzins zur Verfügung gestellt. Die Einbettung in die Zonenplanrevision und die frühzeitige Mitwirkung von Naturschutzorganisationen erleichterten das Bewilligungsverfahren für die Weiherlandschaft. Die Idee für den Weiher stammte ursprünglich aus der Bevölkerung und wurde von der Gemeinde aufgenommen, weiterentwickelt und als «Leuchtturmprojekt» im Aktionsplan Birspark-Landschaft verankert.

Das Areal liegt zwischen Birs und Autobahn in unmittelbarer Siedlungsnähe und ist als Zone für öffentliche Nutzung ausgeschieden. Raumplanerisch wurde die Fläche als Teil des grünen Bands der Birsstadt definiert und in die überkommunale Strategie des Aktionsplans Birspark-Landschaft integriert. Damit wird ein wichtiger Beitrag zur Vernetzung von Naherholungsgebieten entlang der Birs geleistet.

Beim Rückbau der ARA Birs 1 wurden rund 20’000 m³ Beton abgebrochen und für die weitere Verwendung wiederaufbereitet; 600 Tonnen Stahl aus Armierungen und Leitungen wurden dem Recycling zugeführt. Der Weiher selbst nutzt Regenwasser und kommt ohne permanente Wasserleitung aus – ein Beitrag zur Ressourcenschonung.

Von der ursprünglichen ARA blieb nur das offene Mischwasserbecken als funktionaler Bestandteil der Siedlungsentwässerung. Die neue Gestaltung setzt auf landschaftsarchitektonische Baukultur: Der Weiher mit seinen rechtwinkligen Becken zeigt klar die menschliche Prägung, integriert sich aber harmonisch in die Flussdynamik. Das Projekt erhielt 2024 den Binding Anerkennungspreis für Biodiversität.

Dem Weiherprojekt ging eine längere Phase mit verschiedenen Ideen und Vorstellungen zur Raumnutzung voraus – bis hin zu Ideen einer Entsorgungsstelle der Gemeinde. Herausforderungen bestanden in der Balance zwischen Naturschutz und öffentlicher Nutzung – etwa bei der Frage nach Feuerstellen. Zudem musste die Abdichtung des Weihers auf dem Kiesplateau technisch gelöst werden (Kautschukfolie). Nutzungskonflikte mit angrenzenden Funktionen (Autobahn, Mischwasserbecken, Hundetrainingsplatz) erforderten sorgfältige Zonierung.

Das Projekt zeigt, dass partizipative Planung, frühzeitige Einbindung von Fachstellen und eine klare raumplanerische Einbettung Bewilligungsverfahren beschleunigen können. Die Umnutzung technischer Infrastrukturen zu naturnahen Freiräumen leistet einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität, zur Naherholung und zur Resilienz von Siedlungsräumen. Die attraktive Flussgestaltung wird heute an schönen Tagen von sehr vielen Menschen als Picknickplatz, Badestellen und allgemeine Erholung genutzt.

Planung und Fertigstellung: 2007 – 2020

Projektkosten der ARA-Umnutzung in CHF: 4.0 Mio.

Kanton: Basel-Landschaft

Gemeinde: Reinach (BL)

Einwohnerwert EW des Gebietes: 30’000


Eigentümer/-in: Kanton Basel-Landschaft, Amt für Industrielle Betriebe

Bauherrschaft: Amt für Industrielle Betriebe, Tifbauamt, Gemeinde Reinach

Externe Projektleitung: Holinger AG, Rückbau und Revitalisierung. Berchtold Lenzin, Weiher

Beteiligte: Holinger AG, Berchthold Lenzin, Landschaftsarchitekten


Autorenschaft Projektpräsentation: Christoph Bitterli

Gemeinde Reinch

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